Wenn Essen zur Herausforderung wird: Erfahrungen von Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen
Die folgenden Erkenntnisse stammen aus einer wissenschaftlichen Studie, die untersucht hat, wie Menschen mit Demenz, Angehörige und Fachpersonen Schwierigkeiten beim Essen und Trinken erleben. Dazu wurden 16 bestehende Studien systematisch ausgewertet.
Essen und Trinken gehören zu den natürlichsten Dingen im Alltag. Für Menschen mit Demenz kann genau das jedoch zu einer großen Herausforderung werden. Schwierigkeiten beim Essen können zum Beispiel durch körperliche und kognitive Veränderungen sie z.B. Schluckstörungen oder einen verminderten Appetit entstehen.
Diese Schwierigkeiten sind bei Menschen mit Demenz weit verbreitet und können zu Mangelernährung sowie zu einer erhöhten Belastung für die Personen selbst und ihre Angehörigen führen.
Was sich verändert
Viele Betroffene haben Schwierigkeiten beim Essen und Trinken:
- Sie vergessen zu essen oder verlieren den Appetit.
- Sie können Besteck schlechter handhaben.
- Schlucken fällt schwer oder sie verschlucken sich häufiger.
Das hat oft auch emotionale Auswirkungen. Viele Betroffene berichten von Scham und Unsicherheit. Einige ziehen sich zurück und vermeiden es, in der Öffentlichkeit zu essen oder Hilfe von jüngeren Familienmitgliedern anzunehmen.
Die Perspektive der Angehörigen
Auch für Angehörige ist diese Situation sehr belastend. Sie versuchen, ihre Liebsten bestmöglich zu unterstützen – und stoßen dabei oft an ihre Grenzen.
Typische Erfahrungen sind:
- Großer Zeitaufwand: Eine Mahlzeit kann bis zu einer Stunde dauern.
- Emotionale Belastung:
- Erforderliche Geduld beim Essen
- Frust, wenn wenig gegessen wird
- Sorge bei Gewichtsverlust
- Angst bei Husten oder Verschlucken
Viele Angehörige berichten auch von Schuldgefühlen und der Frage: „Mache ich etwas falsch?“
Besonders belastend ist es, wenn der Gewichtsverlust fortschreitet – das kann zu großem psychischem Stress führen.
Angehörige wünschen sich darum die Begleitung durch gut geschulte Fachkräfte, konkrete praktische Tipps für den Alltag sowie Beratung durch Diätolg*innen.
Was hilft beim Essen?
Die Studie zeigt, dass verschiedene Faktoren das Essen erleichtern können:
Eine angenehme Umgebung
- Ruhige Atmosphäre
- Wenig Ablenkung
- Angenehme Musik
- Gemeinsames Essen mit vertrauten Personen
Selbstbestimmung ermöglichen
Mitbestimmung beim Essen und der Respekt der Wünsche der Menschen mit Demenz ist besonders wichtig. Viele Menschen mit Demenz möchten so lange wie möglich selbst entscheiden:
- Was sie essen
- Wann sie essen
- Ob sie beim Kochen helfen
Schon kleine Entscheidungen können das Gefühl von Kontrolle und Würde stärken.
Beziehung und Erfahrung der Pflegenden
Eine gute Beziehung und Erfahrung der betreuenden Personen spielt eine große Rolle. Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen sind entscheidend.
Fazit
Bei Demenz zeigt sich, wie wichtig ein einfühlsamer Umgang, Geduld und individuelle Unterstützung bei der Nahrungsaufnahme sind. Besonders entscheidend ist: Die Bedürfnisse und Gefühle der Betroffenen ernst nehmen und eine gute Zusammenarbeit zwischen Betroffenen, Angehörigen und Fachpersonen etablieren.
Quelle: Cai, M.; Gong, Xiaoyan; Yang, Yi; Haiyan He; Wu, Xuehua (2026): Views and Experiences of People With Dementia, Informal Caregivers and Professionals on Eating and Drinking Difficulties: A Qualitative Systematic Review. In: Journal of Advanced Nursing. DOI: 10.1111/jan.70547.


